Lerntipp #000: Über das Üben

Üben, üben, üben. Eines dürfte den meisten bereits klar sein. Ohne üben geht es nicht. Und vor allem beim Erlernen eines Handwerks ist üben wichtig. Und Zeichnen ist definitiv ein Handwerk. Schließlich erschaffen wir wortwörtlich mit Händen (Kunst-)Werke.

Der Unterschied zwischen üben und erlernen

Ich unterscheide ganz klar zwischen erlernen und üben. Es besteht ein großer Unterschied zwischen den beiden: Meiner Meinung nach bedeutet etwas zu erlernen wie ich etwas machen soll. Ich stehe als Anfänger im Grunde vor vielen, vielen Aufgaben und weiss nicht wirklich was nötig ist um diese zu lösen. Der Prozess des Erlernens bedeutet die Natur einer Aufgabe zu verstehen und sich Methoden und Techniken anzueignen, um eben diese Aufgabe zu lösen. Das heisst aber nicht zwangsläufig, dass ich die Aufgabe auch gut lösen werde.

Zu wissen dass ich durch spätes bremsen länger schnell bin macht mich noch lange nicht zum erfolgreichen Rennfahrer.

Das ist vergleichbar mit dem Lesen eines Buchs über das Zeichnen. Man kann sehr viel über die Thematik lesen und es wird sicher den einen oder anderen positiven Effekt haben: Quelle der Inspiration, Lust auf mehr, Orientierung im Wirrwarr der vielen Möglichkeiten. Es bleibt aber stets Theorie. Und früher oder später kommt der Punkt des Machens und damit die Zeit der Ernüchterung.

Beispiel für eine Übungszeichnung mit zu kleinem Kopf
Eine erste Kohlezeichnung. Man beachte den viel zu kleinen Kopf.

Irgendwie passt das hinten und vorne nicht. Weder oben, noch unten: Arme zu dünn, Kopf zu klein, Brustkorb zu groß…und auf den Hintergrund habe ich zur Sicherheit gleich mal verzichtet.

Hier kommt das Üben ins Spiel!

Wir wollen letzten Endes gut zeichnen können. Und zu üben wirkt sich direkt darauf aus wie gut ich etwas machen werde. Die Übung startet in uns einen Prozess durch den wir eine Fähigkeit festigen und sogar soweit ausbauen können, dass wir unterbewusst darauf zugreifen. Wer bereits einen Führerschein hat kann das sicher nachvollziehen. Man muss nur die allererste Fahrstunde mit der letzten Fahrt vergleichen. Der Stress des Fahranfängers das Auto überhaupt mal vom Fleck zu bewegen, ist dem routinierten Verhalten eines erfahrenen Autofahrers gewichen: Viele Vorgänge laufen mittlerweile automatisch ab und man kann sich zum Beispiel eher auf den Straßenverkehr selbst konzentrieren, als darauf, die Kupplung richtig kommen zu lassen. Doch das Üben hat mehr Ziele als das Freimachen von Ressourcen. Üben verändert die Qualität des Erlernten. Durch Üben können wir besser werden. Durch Üben können wir schneller werden. Durch Üben können wir ein Meister unseres Fachs werden. 

C’est en forgeant qu’on devient forgeron

Doch warum ist das so? Warum bringt üben etwas, warum muss ich sogar üben? Warum ist es wichtig schnell zeichnen zu konnen? Wann übe ich am geschicktesten, wie übe ich am effizientesten oder effektivsten? Wie oft soll ich üben und wie lange? Und sogar das Üben selbst will gelernt sein. Und vor allem was lerne ich zuerst bevor ich mit üben anfange? Fragen über Fragen und die Antworten dazu sollst du in meiner Artikelserie „Lerntipps“ bekommen. Doch erstmal eines nach dem anderen.

Der Unterschied zwischen üben und „anfertigen“

Zuerst möchte ich auch hier eine Unterscheidung treffen. Und zwar zwischen dem Üben und – allgemein ausgedrückt – dem Machen.

Das Machen, also eine Zeichnung anzufertigen, ein Aquarell auf Papier zu pinseln oder Hauswände mit Farbe zu besprühen, dieses Machen hat als Ziel nichts Geringeres als jetzt das perfekte Ergebnis zu erhalten. Meine jetzt durchgeführte Arbeit soll ein vollendeter Ausdruck meines künstlerischen Schaffens sein.

Das Üben hingegen hat als einziges Ziel, dass es erst beim nächsten Mal perfekt werden kann. Ich muss üben wenn meine derzeitige Fähigkeit nicht ausreicht. Ansonsten eben: Siehe „Machen“ 

Deshalb liegt es in der Natur der Sache, dass Deine ersten Zeichnungen (welches ja auch Übungszeichnungen sind) nicht deinen Erwartungen entsprechen werden. Sie können es nämlich gar nicht.

Grausiger erster Versuch mit Wasserfarben
Erster Versuch eine Skizze zu aquarellieren

Üben ist ein Prozess der uns erst an seinem Ende zum Können führt. Deshalb ist es völlig natürlich dass du erstmal unbefriedigende Ergebnisse aufzeigen wirst.

2 Antworten auf „Lerntipp #000: Über das Üben“

    1. Hallo Werner, vielen Dank für Deinen Kommentar! Tipps für Anfänger sind ja genau mein Thema. Ich hoffe dass meine Ausführungen über das Üben Dir bei Deiner Seite weiterhelfen werden.

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